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Wer trompetet in freier Natur?

Eines gleich vorweg: Die Märkische Schweiz im östlichen Brandenburg ist kein Ort für eine kurze Stippvisite. Der Naturpark fordert vom Besucher viel Zeit, Zeit für eine Idylle, eine Perle inmitten einer oft spröden Landschaft des Berliner Speckgürtels.

Die Anfahrt über die Bundesstraße 5 von Berlin in Richtung Frankfurt/Oder ist für einen Naturfreund sagenhaft ernüchternd. Von Baggern aufgerissene Straßen, Kolonnen von Lastwagen, Industriebrachen und verfallene, trostlose Wohnhäuser am Straßenrand erwecken schon fast apokalyptische Visionen. Der Frühnebel verstärkt den Eindruck des Grau in Grau, farblich "aufgelockert" durch großflächige Werbeplakate. War es vielleicht doch eine falsche Entscheidung, hierher zu fahren? Zum Glück haben wir der Versuchung widerstanden, an der nächsten Kreuzung zu wenden und umzukehren. Nur wenige Kilometer abseits dieser furcht einflößenden B 5 taucht man in ein Naturparadies ein. Ein Kontrastprogramm, das in Brandenburg einige Male zu beobachten ist. Als Beispiel sei nur das Schlaubetal im östlichen Brandenburg, der Beetzsee im westlichen Teil des Bundeslandes und der Nationalpark Unteres Odertal erwähnt.

Ein Spielfilmregisseur hätte es wohl kaum besser machen können. Kurz bevor wir den Naturpark Märkische Schweiz erreichen, reißt der Nebel auf, und die Sonne scheint von einem makellos blauen Himmel. Der Hochdrucklage sei Dank. Hinzu kommt, dass wir nun im für norddeutsche Verhältnisse bergigen Land unterwegs sind. Höhenunterschiede von bis zu einhundert Metern gaben dem Landstrich seine Bezeichnung. Was den Holsteinern, Sachsen und Franken recht ist, kann den Märkern Brandenburgs nur billig sein: Man nennt die Region kurzerhand Märkische Schweiz. Dabei besteht der Naturpark nicht nur aus Bergen, sondern auch aus Senken, die deutlich tiefer liegen als die umgebende Ebene. Relikte der letzten Eiszeit. In den Senken blieb Wasser zurück, die heutzutage wunder-bare,glasklare Seen bilden. In einem Radius von etwa sechs Kilometern um Buckow, dem Hauptort, sind über zwanzig Seen zu entdecken. Die einen, wie zum Beispiel der Schermützelsee, sind schon recht stark vom Tourismus und von Freizeitaktivitäten belegt, andere sind nur über verschlungene Waldpfade zu erreichen und bekommen vom Menschen nur sehr selten Besuch. Echte Naturoasen. Von den Naturgewalten gefüllte Bäume liegen im Wasser, bis sie nach Jahrzehnten vermodert wieder dem Naturkreislauf zugeführt werden. Die größeren Seen werden von undurchdringlich erscheinenden Schilfgürteln umrahmt. In der kalten Jahreszeit bilden die gelbbeigen Schilfhalme einen reizvollen Farbkontrast zum tiefblauen Wasser und Himmel. Umrahmt werden diese beiden Komplementärfarben durch eine reiche Palette der Pastellfarben eines schneefreien Wintertages. Ein Dorado für Naturliebhaber und Landschaftsfotografen.

Im nördlichen Teil des Naturparks ist ein weiteres Paradebeispiel für ein Charakteristikum der Märkischen Schweiz, der vielfältige Wald, zu entdecken. Die Wurzelfichte, ein uralter Baum am Sophienbach, gräbt sich mit ihren freigelegten Wurzeln gleich einer Krake in den märkischen Sand. Ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Wald ist die dominierende Landschaftsform, auch auf dem Teufelsstein oder dem Dachsstein, einem Aussichtsberg über dem Tornowsee. Jetzt, da im Winter die Bäume ihre Blätter verloren haben, ist der Blick frei, um über die Märkische Schweiz zu schweifen. So, wie es die vielen Vögel und restlichen Nebelschwaden an diesem Morgen tun.

Zentraler Ort dieser schönen Landschaft ist Buckow am Schermützelsee. Für den wandernden Naturliebhaber ist dieses kleine Städtchen in zweierlei Hinsicht von Interesse. Hier kann nicht nur zu Mittag gegessen werden (vorzugsweise einheimischer Fisch aus den sauberen Seen), sondern auch kulturell wird etwas geboten.

Bertold Brecht verbrachte am Seeufer in Buckow zusammen mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Helene Weigel, seine letzten Lebensjahre. Brecht beschrieb den Ort als ideales Schriftstellerdomizil, weil es in Buckow "friedlich und langweilig genug für die Arbeit" ist. Das Brecht-Weigel-Haus ist zum Museum umgebaut worden und wird für Lesungen und Literaturdiskussionen genutzt.

Zurück zur Natur. Eine gute Wegkennzeichnung hilft dem wandernden Naturfreund bei der Orientierung im Weglabyrinth der Höhen und Senken. Apropos Wege: Die Märkische Schweiz ist ein Terrain für Wanderungen zu Fuß. Das Auf und Ab ist bestenfalls für Mountainbiker interessant, und an so manchen Stellen zeigt sich das märkische Wahrzeichen, ein feiner Sand. Radwanderer haben es hier schwer. Trotzdem sind selbst zur kühlen Jahreszeit Fahrradfahrer unterwegs, vor allem in der ebenen Fließsenke zwischen dem Tornowsee und der Eichendorfer Mühle. Hier gibt der Wald den Blick frei über sumpfige Wiesen. Nur einzelne, bizarr verformte Bäume stehen im Freien. Plötzlich durchdringen trompetenartige Laute die Stille. Wir waren auf allerlei gefasst, aber darauf nicht. Auf der Karte ist kein Haus verzeichnet, wo diese Trompetenklänge herkommen könnten. Doch dann sehen wir die Tonquelle. Nein, kein Trompeter, sondern Kraniche stehen auf der Wiese. Rasch bleiben wir stehen und stellen uns in den Schatten, um diese außerordentlich scheuen Tiere nicht zu verjagen. Jetzt, im späten Winter, vollführen diese stolzen Vögel ihren Hochzeitstanz, und anscheinend sind sie damit so beschäftigt, dass sie uns nicht bemerken. Zu schade, dass diese stolzen Vögel für unsere Fotoapparate zu weit weg sind. Ein Königreich für ein Fernglas. Doch das schlummert zu Hause in seinem Winterschlaf.

TEXT: HARTMUT GRÄFENHAHN

aus Berlin vis-à-vis, Ausgabe Nr. 09