Herzlich Willkommen im Internetportal der Lokalen Aktionsgruppe Märkische Schweiz e. V.
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Die hier dargestellten Informationen betreffen die Förderperiode 2002-2007.
Informationen zur aktuellen Förderperiode erhalten Sie unter folgenden Links:
> MLUV
> landsucht
> Forum Ländlicher Raum
> DVS Netzwerk Ländliche Räume
Wer trompetet in freier Natur?
Eines gleich vorweg: Die Märkische Schweiz im östlichen Brandenburg ist
kein Ort für eine kurze Stippvisite. Der Naturpark fordert vom Besucher
viel Zeit, Zeit für eine Idylle, eine Perle inmitten einer oft spröden
Landschaft des Berliner Speckgürtels.
Die Anfahrt über die Bundesstraße 5 von Berlin in Richtung Frankfurt/Oder
ist für einen Naturfreund sagenhaft ernüchternd. Von Baggern aufgerissene
Straßen, Kolonnen von Lastwagen, Industriebrachen und verfallene, trostlose
Wohnhäuser am Straßenrand erwecken schon fast apokalyptische Visionen.
Der Frühnebel verstärkt den Eindruck des Grau in Grau, farblich "aufgelockert"
durch großflächige Werbeplakate. War es vielleicht doch eine falsche Entscheidung,
hierher zu fahren? Zum Glück haben wir der Versuchung widerstanden, an
der nächsten Kreuzung zu wenden und umzukehren. Nur wenige Kilometer abseits
dieser furcht einflößenden B 5 taucht man in ein Naturparadies ein. Ein
Kontrastprogramm, das in Brandenburg einige Male zu beobachten ist. Als
Beispiel sei nur das Schlaubetal im östlichen Brandenburg, der Beetzsee
im westlichen Teil des Bundeslandes und der Nationalpark Unteres Odertal
erwähnt.
Ein
Spielfilmregisseur hätte es wohl kaum besser machen können. Kurz bevor
wir den Naturpark Märkische Schweiz erreichen, reißt der Nebel auf, und
die Sonne scheint von einem makellos blauen Himmel. Der Hochdrucklage
sei Dank. Hinzu kommt, dass wir nun im für norddeutsche Verhältnisse bergigen
Land unterwegs sind. Höhenunterschiede von bis zu einhundert Metern gaben
dem Landstrich seine Bezeichnung. Was den Holsteinern, Sachsen und Franken
recht ist, kann den Märkern Brandenburgs nur billig sein: Man nennt die
Region kurzerhand Märkische Schweiz. Dabei besteht der Naturpark nicht
nur aus Bergen, sondern auch aus Senken, die deutlich tiefer liegen als
die umgebende Ebene. Relikte der letzten Eiszeit. In den Senken blieb
Wasser zurück, die heutzutage wunder-bare,glasklare Seen bilden. In einem
Radius von etwa sechs Kilometern um Buckow, dem Hauptort, sind über zwanzig
Seen zu entdecken. Die einen, wie zum Beispiel der Schermützelsee, sind
schon recht stark vom Tourismus und von Freizeitaktivitäten belegt, andere
sind nur über verschlungene Waldpfade zu erreichen und bekommen vom Menschen
nur sehr selten Besuch. Echte Naturoasen. Von den Naturgewalten gefüllte
Bäume liegen im Wasser, bis sie nach Jahrzehnten vermodert wieder dem
Naturkreislauf zugeführt werden. Die größeren Seen werden von undurchdringlich
erscheinenden Schilfgürteln umrahmt. In der kalten Jahreszeit bilden die
gelbbeigen Schilfhalme einen reizvollen Farbkontrast zum tiefblauen Wasser
und Himmel. Umrahmt werden diese beiden Komplementärfarben durch eine
reiche Palette der Pastellfarben eines schneefreien Wintertages. Ein Dorado
für Naturliebhaber und Landschaftsfotografen.
Im nördlichen Teil des Naturparks ist ein weiteres Paradebeispiel für
ein Charakteristikum der Märkischen Schweiz, der vielfältige Wald, zu
entdecken. Die Wurzelfichte, ein uralter Baum am Sophienbach, gräbt sich
mit ihren freigelegten Wurzeln gleich einer Krake in den märkischen Sand.
Ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Wald ist die dominierende Landschaftsform,
auch auf dem Teufelsstein oder dem Dachsstein, einem Aussichtsberg über
dem Tornowsee. Jetzt, da im Winter die Bäume ihre Blätter verloren haben,
ist der Blick frei, um über die Märkische Schweiz zu schweifen. So, wie
es die vielen Vögel und restlichen Nebelschwaden an diesem Morgen tun.
Zentraler Ort dieser schönen Landschaft ist Buckow am Schermützelsee.
Für den wandernden Naturliebhaber ist dieses kleine Städtchen in zweierlei
Hinsicht von Interesse. Hier kann nicht nur zu Mittag gegessen werden
(vorzugsweise einheimischer Fisch aus den sauberen Seen), sondern auch
kulturell wird etwas geboten.
Bertold Brecht verbrachte am Seeufer in Buckow zusammen mit seiner Ehefrau,
der Schauspielerin Helene Weigel, seine letzten Lebensjahre. Brecht beschrieb
den Ort als ideales Schriftstellerdomizil, weil es in Buckow "friedlich
und langweilig genug für die Arbeit" ist. Das Brecht-Weigel-Haus ist zum
Museum umgebaut worden und wird für Lesungen und Literaturdiskussionen
genutzt.
Zurück
zur Natur. Eine gute Wegkennzeichnung hilft dem wandernden Naturfreund
bei der Orientierung im Weglabyrinth der Höhen und Senken. Apropos Wege:
Die Märkische Schweiz ist ein Terrain für Wanderungen zu Fuß. Das Auf
und Ab ist bestenfalls für Mountainbiker interessant, und an so manchen
Stellen zeigt sich das märkische Wahrzeichen, ein feiner Sand. Radwanderer
haben es hier schwer. Trotzdem sind selbst zur kühlen Jahreszeit Fahrradfahrer
unterwegs, vor allem in der ebenen Fließsenke zwischen dem Tornowsee und
der Eichendorfer Mühle. Hier gibt der Wald den Blick frei über sumpfige
Wiesen. Nur einzelne, bizarr verformte Bäume stehen im Freien. Plötzlich
durchdringen trompetenartige Laute die Stille. Wir waren auf allerlei
gefasst, aber darauf nicht. Auf der Karte ist kein Haus verzeichnet, wo
diese Trompetenklänge herkommen könnten. Doch dann sehen wir die Tonquelle.
Nein, kein Trompeter, sondern Kraniche stehen auf der Wiese. Rasch bleiben
wir stehen und stellen uns in den Schatten, um diese außerordentlich scheuen
Tiere nicht zu verjagen. Jetzt, im späten Winter, vollführen diese stolzen
Vögel ihren Hochzeitstanz, und anscheinend sind sie damit so beschäftigt,
dass sie uns nicht bemerken. Zu schade, dass diese stolzen Vögel für unsere
Fotoapparate zu weit weg sind. Ein Königreich für ein Fernglas. Doch das
schlummert zu Hause in seinem Winterschlaf.
TEXT: HARTMUT GRÄFENHAHN
aus Berlin vis-à-vis, Ausgabe Nr. 09